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Warum Händler den Resale-Markt auf dem Schirm haben sollten

Von Don-Alvin Adegeest

29. Juni 2021

Einzelhandel

Bild: Depop

Als Etsy Depop für 1,6 Milliarden US-Dollar aufkaufte, wurden weltweit Investoren hellhörig. Die von Etsy-CEO Josh Silverman als „Resale Home für die Gen Z“ bezeichnete App, die über 30 Millionen registrierte Nutzer zählt, hat enormes Skalierungspotenzial.

Durch die Expansion könnte das Unternehmen seinen Anteil an einem boomenden und wachsenden Wiederverkaufsmarkt vergrößern, der laut dem Analyseunternehmen GlobalData in den nächsten fünf Jahren auf 64 Milliarden US-Dollar anwachsen soll.

Nach der Pandemie steht eine „Entrümpelungswelle“ an, meint die US-amerikanische Secondhand-Plattform ThredUp. 80 Prozent der US-Konsumenten planen, ihre Garderobe aufzufrischen, indem sie nicht mehr benötigte Teile ausmisten oder etwas Neues kaufen. Da Nachhaltigkeit bei den Verbrauchern ganz oben auf der Agenda steht, suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Umweltbelastung zu reduzieren und setzen auf Kreislaufwirtschaft in der Mode.

Daten von Edited zeigen, dass der Fast-Fashion-Zyklus von Massenprodukten nach der kurzen Unterbrechung durch Covid wieder zu neuen Höhenflügen angesetzt hat. Allein in Großbritannien stieg die Anzahl neuer online gelisteter Produkte im Mai um 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und um 37 Prozent im Vergleich zu 2019.

Die Nachfrage nach Secondhand-Mode lässt sich laut Edited durch die Analyse des Alters der auf Wiederverkaufsseiten verfügbaren Ware messen. Die Produkte bei Vestiare Collective zeigen Anzeichen eines schnellen Abverkaufs, wobei die Mehrheit der aktuell gelagerten Waren innerhalb der letzten drei Monate eingetroffen ist und nur vier Prozent der Produkte seit mehr als einem Jahr gelistet sind. Im Vergleich dazu sind bei den traditionellen Luxus-Onlineshops zwischen 22 und 30 Prozent der gelisteten Produkte seit über einem Jahr online.

Während des Lockdowns haben Wiederverkaufsplattformen wie Depop, Ebay und Vinted davon profitiert, dass die Verbraucher zu Hause festsaßen und die Verkäufe und Listungen von Artikeln in die Höhe schossen.

Neil Saunders, Managing Director von GlobalData, sagte dem britischen Broadcaster BBC: „In den nächsten zehn Jahren wird der Markt für den Wiederverkauf von Kleidung noch größer werden, angeheizt durch das Interesse an Nachhaltigkeit, den Wunsch nach Einzigartigkeit und den Aufstieg des partizipativen Verbrauchers, der nicht nur kaufen, sondern auch tauschen möchte.“

Eine Verschiebung der Wahrnehmung

Vor einem Jahrzehnt war die Einstellung der Verbraucher gegenüber gebrauchter Kleidung noch ausgesprochen negativ. Heute jedoch hat sich das Stigma, Secondhand-Mode sei uncool oder unhygienisch, aufgelöst und die Kunden sind stolz auf ihre Secondhand-Funde. Sogar die wankelmütigste Zielgruppe der Mode, die Generation Z, hat dem Secondhand-Shopping ihren Segen gegeben, sagte Helen Riley, Fashion Acquisition Manager bei Ebay, in einem Interview mit Edited.

In einem gemeinsamen Bericht von Bain & Co. und Depop gaben 75 Prozent der befragten Nutzer der Plattform (90 Prozent davon sind unter 25 Jahre alt) an, dass sie Secondhand einkaufen, um den Modekonsum zu reduzieren. Darüber hinaus gaben 55 Prozent an, dass ihre Motive darin bestehen, „Einzelstücke zu finden“, während 45 Prozent Depop nutzen, „um Trends aufzuspüren“. Dies beweist, dass, obwohl die Gen Z oft als die Vorzeigegeneration der Nachhaltigkeit dargestellt wird, Trends in ihren Kleiderschränken nach wie vor an erster Stelle stehen.

Die Bekleidungsproduktion läuft auf Hochtouren

Bis 2030 wird die globale Modeindustrie voraussichtlich mehr als 134 Millionen Tonnen Textilien pro Jahr ausrangieren. Jegliche Anzeichen eines Produktionsstopps in den frühen Tagen der Pandemie liegen nun endgültig hinter uns.

Daten von Edited zeigen, dass das Niveau der Neuanlieferungen in Großbritannien, Deutschland und Spanien wieder das Volumen vor der Pandemie erreicht und sogar übertrifft. Die Verbraucher kaufen mehr als je zuvor, wobei sich Berichten zufolge 155,9 Millionen US-Konsumenten darauf vorbereiten, neue Artikel zu kaufen, nachdem die Pandemie vorbei ist. Dies macht die zirkuläre Mode zu einem grundlegenden Eckpfeiler der Nachhaltigkeit und unterstreicht die Notwendigkeit für den Einzelhandel, über Upcycling und die Wiederverwendung bereits existierender Waren nachzudenken.

The RealReal, der weltweit größte Marktplatz für den Wiederverkauf von Luxusgütern, hatte im Jahr 2020 eine Abverkaufsrate von 99 Prozent. Außerdem hat das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2011 17.023 Tonnen Kohlenstoff und 827 Millionen Liter Wasser eingespart.

Mitmischen

Auch andere Unternehmen stellen ihre Strategien um. Der US-amerikanische Sportanbieter Nike startete im April sein „Refurbished“-Programm, bei dem gebrauchte Schuhe je nach Zustand sortiert, gereinigt, restauriert und dann in 15 Geschäften zu einem reduzierten Preis weiterverkauft werden. Der Luxus-Onlinehändler MyTheresa hat sich kürzlich mit Vestiaire Collective zusammengetan, um einen Wiederverkaufsservice zu starten, indem er seine Top-Kunden einlädt, ihre gebrauchten Luxus-Handtaschen online im Tausch gegen eine Gutschrift zu verkaufen.

Eine Antwort auf die Frage, warum der Wiederverkauf die profitabelste neue Kategorie in der Modebranche ist, ist die Tatsache, dass die Generation Z, die bis 2035 40 Prozent der Umsätze im Luxussegment ausmachen wird, eine (aktuell noch) kostenorientierte Zielgruppe und sehr preisbewusst ist. Wenn man früh eine Beziehung zu ihnen aufbaut, ist der einzige Weg nach oben.

Daten mit freundlicher Genehmigung von Edited

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ