Green Claims verifizieren: neue Benchmark-Studie liefert Vergleichswerte für den Wasserverbrauch beim Indigofärben
Was macht einen Indigofärbeprozess „nachhaltig“? Und wie hoch ist die durchschnittliche Wassermenge, die heutzutage zum Färben von Denim verwendet wird? Die Antwort lautet: Wir wissen es nicht, da es bisher keinen Vergleichswert gab, der die Prozesse von Denim-Fabriken weltweit gegenüberstellt.
Es gab jedoch zahlreiche Behauptungen über Wassereinsparungen, aber auch hier ist es ohne einen Vergleichswert schwer zu beurteilen, was echte Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit sind und was Greenwashing ist. Expert:innen schätzen, dass jährlich zwischen drei und fünf Milliarden(!) Denim-Artikel hergestellt werden, ein Großteil davon in wasserarmen Regionen.
Die Transformers Foundation, die Plattform der Denim-Lieferkette und Denkfabrik für Ethik und nachhaltige Innovation in der Jeansbranche, ist der Ansicht, dass es einen universellen Vergleichswert geben sollte, an dem die Nachhaltigkeit in der Denimproduktion gemessen werden kann, und hat sich daher vorgenommen, einen solchen zu liefern. Das Ergebnis ist der Bericht „A Reference for Water Consumption during Indigo Dyeing. An Indigo Council Study”.
„Unsere Aufgabe war nicht einfach: Die Indigofärbung ist ein langer und komplizierter Prozess, der sowohl chemische als auch physikalische Reaktionen beinhaltet und von der Qualität und Art der Rohstoffe, den Produktionsmethoden und Umweltfaktoren wie Wetter, Feuchtigkeit, Wasserqualität und mehr beeinflusst wird“, so die Organisation.
Darüber hinaus variieren diese Faktoren nicht nur von Land zu Land und von Region zu Region, sondern auch von Betrieb zu Betrieb. Nimmt man Tradition und Handwerkskunst hinzu, sogar von Tag zu Tag innerhalb derselben Fabrik, mit Rezepturen, Bedingungen und Praktiken, die sich je nach Kultur und Region unterscheiden.
Der Transformers Foundation ist es gelungen, die weltweit führenden Denim-Herstellenden zusammenzubringen und sie an der Studie zu beteiligen. Ziel war es, einen Standard für das konventionelle Färben von Denim-Webketten zu definieren, zu etablieren und zu validieren. „Unser Ziel ist es, Denim-Produzierende mit den Erkenntnissen und Werkzeugen auszustatten, die sie benötigen, um einen breiteren, branchenweiten Wandel hin zu nachhaltigen Praktiken zu fördern.“
Wer nahm teil?
Alle sieben teilnehmenden Webereien sind anerkannte Weltmarktführer, die für ihre hohen Qualitätsstandards und ihre betriebliche Effizienz bekannt sind. Es handelte sich um Advance Denim aus China, Candiani Denim aus Italien, Crescent Denim, Diamond Denim, Naveena Denim und Soorty aus Pakistan sowie Orta Anadolu aus der Türkei.
Zwei Maschinenbauunternehmen – Karl Mayer aus Deutschland und Morrison Textile Machinery Co. aus den USA – stellten das technische Fachwissen zur Verfügung, während Zertifizierer Bluesign die unabhängige Aufsicht übernahm. Zusätzlich zu Fabrikbesuchen und Literaturrecherchen wurden auch Interviews durchgeführt, um über Daten aus verschiedenen Quellen verfügen zu können.
„Dies ist eine Gruppe von Unternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen: Morrison und Karl Mayer konkurrieren beispielsweise um jede Färbemaschine der Welt, wie Coca-Cola und Pepsi [Rivalen in ihrem Bereich sind]. Und dennoch haben sie sich zusammengesetzt und uns bei der Erstellung eines Standards geholfen – oder nicht eines Standards, sondern bei der Erstellung von Informationen", erklärte Transformers-Gründer Andrew Olah das Ausmaß der Zusammenarbeit im einführenden Webinar.
Färben: Stränge, Bahnen und Indigo
Indigo ist der Farbstoff, der Denim seinen charakteristischen Blauton, seine Ausbleich- und Abnutzungseffekte verleiht. Die Verwendung ist jedoch äußerst schwierig: Indigo – in natürlicher oder synthetischer Form – ist ein Pigment und kein Farbstoff. Es ist nicht wasserlöslich und hat keine Affinität zu Zellulosefasern.
Beim Strang- oder Seilfärben (Rope Dyeing) werden separate Enden zu Strängen zusammengefasst, um ein Seil zu bilden, während beim Baumfärben (Slasher oder Sheet Dyeing) ein Kettensatz – bestehend aus einem Garnbalken, der flach in einer Lage um die gesamte Breite eines Zylinders oder Kettbaumes gewickelt ist – in die Farbbäder getaucht wird. Im Gegensatz zu einer Bäummaschine, die einen Satz auf einmal färbt, kann eine Seilfärbemaschine – je nach Ausführung – bis zu fünf Sätze gleichzeitig färben.
„Ziel dieser Studie ist es nicht, ein Verfahren gegenüber einem anderen zu bevorzugen: Seilfärben und Kettbaumfärben haben unterschiedliche Anwendungen, Vor- und Nachteile, und viele Webereien, darunter auch einige in unserer Studie, verwenden beide Verfahren in ihrem Betrieb“, stellt die Studie gleich zu Beginn klar.
Die Untersuchung konzentrierte sich nur auf das Färben und nicht auf den gesamten Wasserverbrauch einschließlich Vorfärben, Färben und Nachfärben. Dadurch wurde der Wasserverbrauch in den Waschkästen nach dem Indigofärben eingegrenzt, da hier die größte Menge an Frischwasser verwendet wird.
Konstante und Variablen
Die Studie listet dann die Konstanten und Variablen auf, wie zum Beispiel die beiden Methoden – Seil- oder Baumfärben –, die Verwendung von 100 Prozent Baumwollkettgarnen (keine Mischgarne), eine ähnliche Garnfeinheit, 100 Prozent reines Indigo in flüssiger Form und keine zusätzlichen Chemikalien auf der konstanten Seite. Zu den Variablen gehörten der Wasserverbrauch, die Anzahl der in einer einzigen Färbesitzung gelieferten Kettgarne, die Geschwindigkeit, mit der das Garn die Maschine durchläuft, die Anzahl der Indigokästen oder -bäder, in die ein Garn getaucht wird, die Oxidationslänge und andere.
Unter Berücksichtigung dieser Konstanten und Variablen ergab die Studie, dass die durchschnittliche Wassermenge, die in den Nachwaschanlagen verwendet wird, zwischen 13 und 15 Litern pro Kilogramm für das Seilfärben und 7 bis zwölf Litern pro Kilogramm für das Baumfärben liegt. „In einigen Ausnahmefällen wurde ein deutlich geringerer Verbrauch festgestellt, wobei die Mindestwerte bei 3,85 Litern pro Kilogramm für das Seilfärben und 3,4 Litern pro Kilogramm für das Baumfärben lagen.“
Auf die Frage nach den Möglichkeiten, die sich aus diesen Ergebnissen für die Webereien ergeben, sagte Olah: „Die Idee des Berichts war es, Einkäufer:innen dabei zu helfen, sich in einem Labyrinth von Behauptungen zurechtzufinden. Wenn sie sich also ausreichend für Wasser interessieren, haben sie jetzt eine Möglichkeit, die Behauptungen zu überprüfen, und natürlich ist Transformers auch immer bereit zu helfen. Aber darüber hinaus haben Webereien, die ein echtes Interesse daran haben, den Wasserverbrauch beim Färben zu reduzieren, jetzt ein offenes Buch über die Ergebnisse anderer und können interne Standards setzen. Auch hier können wir ihnen helfen, wenn sie es wünschen. Es ist alles open-source und frei verfügbar.“
Erkenntnisse
Die wichtigste Erkenntnis ist, dass eine Reduzierung des Wasserverbrauchs beim Standard-Indigofärbeprozess für Kettgarne möglich ist – vorausgesetzt, die Herausforderung wird mit einer wissenschaftlichen und datengesteuerten Denkweise angegangen.
Auf die Frage von FashionUnited, ob die Studie zur Überprüfung von Green Claims verwendet werden kann, erläuterte Olah: „Dieser Bericht liefert eine Grundlage, eine Möglichkeit für Herstellende und Webereien, ihre Behauptungen anhand von Daten Dritter zu überprüfen. Bei der Denimproduktion wirkt sich jeder Herstellungsprozess negativ auf unsere Umwelt aus. Wenn wir nichts herstellen, zu Hause bleiben und unsere eigenen Lebensmittel anbauen und essen, sind unsere Auswirkungen auf die Umwelt wahrscheinlich gleich null. Sobald wir jedoch Fabriken haben, um Dinge herzustellen, haben wir Auswirkungen. Dann stellt sich die Frage, wie stark unsere Auswirkungen sind und ob wir die bestmöglichen Versuche unternehmen, um die Auswirkungen gering zu halten. Das ist alles, was wir anstreben können. Indigo ist eine schmutzige Angelegenheit. Wir können also die beste Produktionsmethode in einem schmutzigen Prozess feiern.“
Vor dieser Studie gab es keine allumfassende Methode zur Erfassung und zum Vergleich von Daten über die verschiedenen Chemikalien, Maschinen und anderen Faktoren, die am Indigofärbeprozess beteiligt sind. Dies hinderte die Branche daran, den Wasserverbrauch über verschiedene Färberezepturen und -verfahren hinweg präzise zu messen und zu vergleichen. „Wir hoffen, dass [die Studie] als Branchen-Benchmark dient, an der Behauptungen über den Wasserverbrauch für neue Färbeverfahren oder -technologien gemessen werden können“, so die Transformers Foundation.
Die Studie ist ein Muss für alle, die sich über das Indigofärben informieren wollen, von Veteranen auf diesem Gebiet bis hin zu Neulingen, die nur einmal hereinschnuppern wollen. Letzteren werden die vielen Abbildungen gängiger Prozesse und Verfahren das Verständnis erleichtern, während erstere von den vorgeschlagenen Fragen profitieren können, die beim Denim-Sourcing und dem Besuch der Fabriken verwendet werden können.
Die Webereien wurden sogar nach ihren Überlegungen zu Investitionen in Anlagen für die beiden gängigsten Färbemethoden – Seil- und Baumfärben – befragt. Die Studie endet mit einem Ausblick auf zukünftige Studien, die sich mit dem Wasser- und Indigo-Recycling, dem Färben mit weniger Wasser oder sogar dem wasserlosen Färben und der Schaffung von Benchmarks für Veredelungsprozesse befassen könnten.
Die Studie „A Reference for Water Consumption during Indigo Dyeing. An Indigo Council Study” enthält sogar ein Glossar der gängigsten Begriffe, die beim Indigofärben verwendet werden, und kann zusammen mit einer Aufzeichnung des einführenden Webinars auf der Website der Transformers Foundation abgerufen werden.
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