Gerry Weber rutscht im dritten Quartal tiefer in die Verlustzone

Der Bekleidungskonzern Gerry Weber International AG musste im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2017/18 einen empfindlichen Umsatzrückgang hinnehmen. Weil zudem hohe Kosten im Rahmen der aktuellen Restrukturierungsbemühungen verbucht wurden, fiel der Verlust deutlich höher aus. Der Vorstand hielt aber trotz der mageren Zahlen an seinen Jahresprognosen fest.

In den Monaten Mai bis Juli erzielte der Konzern einen Umsatz in Höhe von 170,4 Millionen Euro. Damit verfehlte er das entsprechende Vorjahresniveau um 11,4 Prozent. Die Geschäftsführung machte dafür die allgemein schwierige Lage auf dem Bekleidungsmarkt, die Auswirkungen von Filialschließungen im Rahmen des Sanierungsprogramms sowie den „überaus heißen Sommer“ verantwortlich. Vor allem bei der Tochtergesellschaft Hallhuber hätten die hohen Temperaturen zu „Frequenzverlusten“ geführt. Ihr Umsatz sank infolgedessen um 8,1 Prozent auf 43,9 Millionen Euro.

Neben dem Umsatzrückgang drückten einmalige Belastungen im Rahmen des Sanierungsprogramms auf das Ergebnis. So fiel der Nettoverlust im dritten Quartal mit 10,8 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum, als er bei 5,1 Millionen Euro gelegen hatte.

Heißer Sommer belastet Umsatzentwicklung

Nach neun Monaten lag der Konzernumsatz mit 575,1 Millionen Euro um 7,3 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Dabei sanken die Erlöse der Kernmarken Gerry Weber, Taifun, Samoon und Talkabout im eigenen Einzelhandel um 14,0 Prozent auf 250,9 Millionen Euro, was unter anderem auf Filialschließungen zurückzuführen war. Der Großhandelsumsatz in diesem Segment schrumpfte um 6,2 Prozent auf 176,0 Millionen Euro. Erfolgreicher war trotz des Umsatzeinbruchs im dritten Quartal die Tochter Hallhuber: Ihre Erlöse wuchsen in den ersten neun Monaten um 5,3 Prozent auf 148,2 Millionen Euro. Dazu trugen neu eröffnete Läden, aber auch Zuwächse auf vergleichbarer Fläche (+3,1 Prozent) bei.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) schrumpfte auf Konzernebene um 31,1 Prozent auf 24,2 Millionen Euro. Der Nettoverlust belief sich auf 10,7 Millionen Euro. Damit war er mehr als dreimal so hoch wie in den ersten neun Monaten des Vorjahres, als er lediglich bei 3,4 Millionen Euro gelegen hatte.

Vorstandschef Weber will Sanierungsmaßnahmen „noch stärker vorantreiben“

Der Vorstandsvorsitzende Ralf Weber sah in den vorliegenden Zahlen einen Ansporn, um die internen Reformen weiter zu forcieren: „Die unbefriedigende Umsatzentwicklung bestärkt uns noch mehr, unser Geschäftsmodell mit Nachdruck umzustellen und diese Transformation dort, wo möglich, noch stärker voranzutreiben“, erklärte er in einer Mitteilung. „Wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen, auch wenn es noch Zeit benötigt, bis wir die Erfolge in den Ergebnissen sehen. Wir verändern gerade unsere Denk- und Arbeitsweise grundlegend – ohne jegliche Tabus.“ Ziel der laufenden Maßnahmen sei es, das Unternehmen „schneller, flexibler und zugleich moderner“ zu machen.

An den Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr mochte die Konzernführung trotz der wenig erfreulichen Resultate nicht rütteln. Sie rechnet somit weiterhin mit einem Umsatz im Bereich von 830 bis 840 Millionen Euro – räumte aber ein, dass dieses Ziel angesichts der jüngsten Entwicklungen „äußerst ambitioniert“ sei. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) liegt der Prognosekorridor bei -10 bis null Millionen Euro. Dabei sind restrukturierungsbedingte Einmalbelastungen im Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro berücksichtigt.

Foto: Gerry Weber Facebook-Page