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Auf Gerry Weber wartet noch ein "schwerer Weg"

Von Jan Schroder

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Mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm hat der Bekleidungskonzern Gerry Weber International AG auf die seit längerem unbefriedigenden Zahlen reagiert. Die ersten Maßnahmen, darunter Ladenschließungen und Entlassungen, wurden bereits umgesetzt. Doch noch ist das Unternehmen nicht über den Berg. Trotz erster Fortschritte „liegen noch viele Aufgaben und ein schwerer Weg in diesem und nächsten Geschäftsjahr vor uns“, räumte Vorstandschef Ralf Weber anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Dienstag ein. Tatsächlich tat sich der Konzern vor allem im traditionellen Kerngeschäft auch in den vergangenen Monaten schwer. Gut entwickelte sich hingegen der im vergangenen Jahr übernommene Damenmodehändler Hallhuber.

Insgesamt erwirtschaftete Gerry Weber im ersten Halbjahr 2015/16, das Ende April abgeschlossen wurde, einen Konzernumsatz in Höhe von 443,6 Millionen Euro. Das war keine große Überraschung: Die Zahlen hätten „im Rahmen der erwarteten Umsätze für das Gesamtjahr“ gelegen, erklärte das Unternehmen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchs der Halbjahresumsatz damit um 2,5 Prozent. Die war aber nur der Hallhuber-Übernahme zu verdanken: Im Vorjahr waren die Umsätze des Neuzugangs erst ab dem Februar in die Bilanz eingeflossen.

Im ersten Halbjahr 2015/16 musste Gerry Weber einen Gewinneinbruch hinnehmen

Hallhuber steuerte in der gesamten ersten Jahreshälfte 91,7 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei. Äußerst erfreulich fielen die Zahlen im zweiten Quartal aus, bei dem ein sinnvoller Jahresvergleich möglich war: Das Münchener Modeunternehmen verbesserte seinen Umsatz um 22 Prozent auf 41,2 Millionen Euro. Dazu trugen neue Filialen bei, aber auch eine Verbesserung um 4,0 Prozent auf vergleichbarer Fläche.

Weniger gut sah es im Kerngeschäft mit den Marken Gerry Weber, Taifun und Samoon aus. Dessen Gesamtumsatz schrumpfte im ersten Halbjahr um knapp zwölf Prozent auf 352,0 Millionen Euro. Aufgrund von Neueröffnungen stieg der Einzelhandelsumsatz der Sparte um 2,5 Prozent auf 206,4 Millionen Euro, flächenbereinigt gingen die Retail-Erlöse allerdings um 6,7 Prozent zurück. Der Großhandelsumsatz rutschte mächtig ab: Mit 145,6 Millionen Euro verfehlte er das Vorjahresniveau um 26,3 Prozent. „Das weiterhin zurückhaltende Orderverhalten von Wholesale-Kunden sowie die Umwidmung von Wholesale in eigene Retail-Flächen haben zu diesem Rückgang geführt“, erklärte das Unternehmen.

Trotz des Umsatzzuwachses brach der Gewinn im ersten Halbjahr ein. Gestiegene Kosten aufgrund der Flächenexpansion und höhere Abschreibungen ließen das operative Ergebnis um 77 Prozent von 36,2 auf 8,4 Millionen Euro schrumpfen. Der Halbjahresüberschuss sank von 21,9 auf 3,0 Millionen Euro (-87 Prozent).

Gerry Weber schrumpft, Hallhuber expandiert

Um die Zahlen zu verbessern, hat sich das Unternehmen Ende Februar zu einschneidenden Sparmaßnahmen entschlossen. Im Laufe des Jahres sollen mehr als hundert Geschäfte der Kernmarken geschlossen werden. Hier hat der Konzern inzwischen Tatsachen geschaffen – wie auch bei anderen Elementen des Restrukturierungsplans: „Wir liegen mit der Umsetzung unseres Programms zur Neuausrichtung 'Fit4Growth' im Plan“, sagte Vorstandschef Weber. „Die ersten 21 von 103 geplanten Filialen wurden bereits geschlossen, der Sozialplan für den Retail und die administrativen Zentralfunktionen in Halle/Westfalen ist unterzeichnet und die verbesserte Waren- und Bestandssteuerung zeigt erste Erfolge in der Verbesserung der Bruttomarge“, so Weber.

Ausgebaut werden soll demgegenüber die Präsenz des erfolgreichen Konzepts Hallhuber. Das sei „vom Programm der Neuausrichtung nicht betroffen“ und befinde sich „weiter auf dem geplanten Expansionskurs“, erklärte das Unternehmen. Konkret ist die Eröffnung von fünfzig bis sechzig neuen Verkaufsflächen im Verlauf des Geschäftsjahres geplant. Dazu zählen Shops, Concession-Flächen und Outlets. In den ersten sechs Monaten wurde bei Hallhuber schon etwa die Hälfte der angestrebten Expansionsschritte gemacht: 27 zusätzliche Flächen wurden seit Anfang November eröffnet.

Der Vorstand hält an den Jahresprognosen fest

Die vorgelegten Zahlen gaben dem Vorstand keinen Anlass, etwas an den aktuellen Prognosen zu ändern. Damit erwartet er weiterhin einen Jahresumsatz im Bereich von 890 bis 920 Millionen Euro. Dazu soll Hallhuber 180 bis 190 Millionen Euro beisteuern. Beim Betriebsergebnis (EBIT) wird mit zehn bis zwanzig Millionen Euro gerechnet. Im Geschäftsjahr 2014/15 war ein Umsatz in Höhe von 920,8 Millionen Euro und ein EBIT von 79,3 Millionen Euro erreicht worden. Vorstandschef Weber will auch künftig am eingeschlagenen Kurs festhalten: „Wir werden die Neuausrichtung weiter konsequent vorantreiben und sind angesichts der Fortschritte in den vergangenen Monaten überzeugt, dass wir unsere Ziele erreichen werden“, erklärte er.

Fotos: Gerry Weber

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