Amazon setzt auf Automatisierung, plant aber keine Stelleneinsparungen

Wo Maschinen ins Spiel kommen, sind Menschen bald überflüssig. Dies gilt auch in der Logistik, zum Beispiel beim Versand von Waren: Während eine Packmaschine rund 700 Päckchen pro Stunde verpacken kann, liegen menschliche Arbeitskräfte weit darunter; sie schaffen fünfmal weniger. Deshalb will der weltgrößte Onlinehändler Amazon zunehmend automatisieren, um der Flut von Bestellungen schneller und effizienter nachzukommen. Maschinen sollen Menschen aber nicht verdrängen, betonte Amazon jüngst.

„Wir starten diese neue Technologie mit dem Ziel, die Sicherheit zu erhöhen, Lieferzeiten zu beschleunigen und die Effizienz unseres Netzwerk zu steigern. Wir erwarten, dass die Einsparungen durch die Effizienzsteigerung wieder in neue Dienstleistungen für Kunden investiert werden, wo weiterhin neue Arbeitsplätze entstehen“, sagte ein Amazon-Sprecher am Montag in einer Erklärung.

Jede Maschine kostet eine Million US-Dollar (rund 890.000 Euro) und spart rund 12 Mitarbeiter ein; die Anschaffung würde sich laut Amazon in zwei Jahren rechnen. Deshalb plant das Unternehmen, für jedes seiner 55 Logistikzentren in den USA zwei dieser Maschinen anzuschaffen und könnte damit potenziell über 1.300 Mitarbeiter einsparen.

Diese brauchen aber nicht um ihre Arbeitsplätze bangen, sondern können sich neuen Aufgaben widmen; nämlich neue Angebote, die durch die Automatisierung möglich werden und neue Arbeitskräfte fordern. Oder sie können selbst Unternehmen gründen, die für Amazon Pakete ausliefern.

Dazu will der Onlinehändler auch kräftig Starthilfe leisten, wie er am Dienstag bekannt gab: Die neuen Unternehmen sollen Zugang zu Amazons Liefertechnologie bekommen, sollen geschult werden, Versicherungsleistungen erhalten und zudem 10.000 US-Dollar, um einen Teil der Startkosten zu decken.

Auch in Deutschland und in anderen europäischen Ländern führte Amazon bereits Packmaschinen ein. Menschliche Mitarbeiter müssen dann nur noch Pakete und zu verpackende Produkte nachlegen und eventuelle Staus beheben. Und können öde 10-Stunden Packschichten mit hohen Fluktuationsraten den Maschinen überlassen. Auch Händler wie JD.com und Walmart nutzen diese Technologie bereits.

Wer sich selbst ein Bild von einem Logistikzentrum machen will, kann dies außer in den USA, Kanada, Tschechien, Polen, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien übrigens auch in Deutschland tun: Amazon bietet Besichtigungstouren in Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg und Winsen (Luhe) an, um „Interessierten die Möglichkeit geben, sich ein Bild von den Logistikzentren und den Menschen, die dort arbeiten, zu machen“. Ob dies bald heißen muss, „und den Robotern, die dort arbeiten“?

Foto: Amazon Website

 

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